Mindestlohn 2026: Auswirkungen auf die Gastro
02.07.2025
Gute Nachrichten für Beschäftigte, neue Herausforderungen für Betriebe: Die Mindestlohnkommission hat entschieden – der gesetzliche Mindestlohn steigt in zwei Schritten deutlich an. Ab dem 1. Januar 2026 liegt er bei 13,90 € brutto pro Stunde, ein Jahr später, zum 1. Januar 2027, erhöht er sich auf 14,60 €. Für viele Gastronomiebetriebe bedeutet das: Es ist Zeit, Zahlen neu zu kalkulieren – und Chancen zu erkennen.
Was steckt hinter der Entscheidung?
Alle zwei Jahre entscheidet die unabhängige Mindestlohnkommission über die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns. Dabei berücksichtigt sie wirtschaftliche Entwicklungen, Tarifverhandlungen und das sogenannte 60 %-Kriterium: Ein Mindestlohn soll mindestens 60 % des mittleren Einkommens abdecken – damit er langfristig vor Armut schützt.
Mit dem aktuellen Beschluss bleibt man zwar knapp unter der politisch geforderten 15-Euro-Marke, setzt aber ein deutliches Zeichen: Der Niedriglohnbereich wird schrittweise gestärkt – besonders dort, wo viele auf einen fairen Lohn angewiesen sind. Und das trifft direkt auf das Gastgewerbe zu.
Warum betrifft das besonders die Gastronomie?
In kaum einer anderen Branche arbeiten so viele Menschen zu Mindestlohnbedingungen wie in der Gastronomie. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil der Niedriglohnjobs hier im Jahr 2024 bei stolzen 52 %. Ob Servicekraft, Küchenhilfe oder Thekenpersonal – viele Mitarbeiter:innen profitieren direkt von der Lohnerhöhung.
Steigende Löhne bringen auch Herausforderungen mit sich:
Höhere Personalkosten
Gerade für kleine und mittelständische Betriebe kann die Lohnanpassung spürbar sein. Das bedeutet: Preise überdenken, Prozesse optimieren, Personal effizient einsetzen.
Umsatzdruck clever begegnen
Wer wirtschaftlich arbeitet, aber gleichzeitig in die Mitarbeiterbindung investiert, wird langfristig profitieren. Denn motiviertes Personal ist das Rückgrat eines erfolgreichen Betriebs – und wird bei fairer Bezahlung eher gehalten.
Was kannst du als Gastronom:in jetzt tun?
Kostenstruktur prüfen und anpassen
Nutze die Zeit bis zur Einführung der neuen Stufen, um deinen Personaleinsatz zu analysieren und gezielt zu planen. Tools zur digitalen Schichtplanung oder Zeiterfassung helfen, die Effizienz zu steigern.
Preiskalkulation neu denken
Wenn der Wareneinsatz konstant bleibt, aber die Lohnkosten steigen, führt langfristig kein Weg an einer behutsamen Preisanpassung vorbei. Wichtig dabei: Kommuniziere transparent und fair – deine Gäste schätzen Ehrlichkeit.
In Digitalisierung investieren
Digitale Bestellsysteme, Self-Service-Terminals oder QR-Menüs entlasten das Personal und verbessern gleichzeitig die Gästeerfahrung. So lässt sich der gestiegene Lohn besser abfedern, ohne auf Servicequalität zu verzichten.
Mitarbeiterbindung aktiv gestalten
Höherer Lohn allein reicht nicht. Wertschätzung, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein gutes Arbeitsklima spielen eine ebenso große Rolle – und reduzieren Fluktuation sowie Einarbeitungskosten.
Die Lohnerhöhung ist keine Überraschung, sondern ein Schritt in Richtung fairer Bezahlung – und eine Gelegenheit, die eigene betriebliche Basis zu stärken. Wer jetzt klug handelt, Prozesse optimiert und seine Preisstruktur anpasst, kann nicht nur wirtschaftlich bleiben, sondern auch mit einem motivierten Team in die Zukunft blicken.